Von der Würde des Alters

Nachricht Johannes der Täufer-Kirchengemeinde, Horstedt, 25. Februar 2024

Eines ist doch klar: Wir alle werden älter und zwar jeden Tag. Und das Leben hinterlässt seine Spuren. Es ist vergänglich, nicht für die Ewigkeit geschaffen. »Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘s hochkommt, so sind‘s achtzig Jahre.«
(Psalm 90,10)

Die meisten Menschen wünschen sich, einmal alt und lebenssatt zu sterben wie Abraham. Geistig klar und rüstig hat er seinen Lebensweg gemeistert, bis seine Kräfte verbraucht waren. Aber nicht jedem ist das so gegeben, auch wenn die Lebenserwartung heutzutage hoch ist. Was uns im Alter erwartet, wissen wir nicht im Voraus. Die einen sind fit und voller Lebensmut, andere sind gebrechlich und gezeichnet von Krankheiten. Die einen sind auf Hilfe und Pflege angewiesen, andere bringen sich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung in die Gesellschaft ein. Gott verspricht, den Menschen in jeder Lebensphase zur Seite zu stehen, besonders auch im Alter: »Bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.« (Jesaja 46,3-4)

Dem Alter gebührt Ehre. Schon in den zehn Geboten ist das verankert: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« Das ist die antike Altersvorsorge und Pflegeversicherung zugleich.

In 3. Mose 19, 32 wird darauf hingewiesen:
»Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.«

Dass Altwerden auch die Gebrechlichkeit mit sich bringt, verschweigt die Bibel nicht. Der Prediger Salomo mahnt:
»Denk an deinen Schöpfer, solange du noch jung bist, ehe die schlechten Tage kommen und die Jahre, die dir nicht gefallen werden. Dann verdunkeln sich dir Sonne, Mond und Sterne und nach jedem Regen kommen wieder neue Wolken. Dann werden deine Arme, die dich beschützt haben, zittern und deine Beine, die dich getragen haben, werden schwach. Die Zähne fallen dir aus, einer nach dem anderen; deine Augen werden trüb und deine Ohren taub. Deine Stimme wird dünn und zittrig.« (Prediger 12)

Die Bibel spricht auch von der Weisheit des Alters. Im Buch Hiob heißt es: »Ja, bei den Großvätern ist die Weisheit, und der Verstand bei den Alten.« (Hiob 12,12)

Im Alten Testament tragen die Ältesten einer Gemeinschaft eine hohe Verantwortung. Ihnen gebührt ein besonderer Respekt. Mose bekommt von Gott den Auftrag, siebzig fähige und vertrauenswürdige Männer aus dem Kreis der Ältesten Israels auszuwählen, damit er die Last des Volkes nicht allein tragen muss. Gott segnet sie mit seinem Geist, so wie er Mose gesegnet hat. (4. Mose 11,16-25) Gemeinsam waren sie für die Rechtsprechung verantwortlich und trafen alle wichtigen Entscheidungen für das Volk. Ein Teil der frühen christlichen Gemeinden wurden von einer Gruppe der Ältesten geleitet. Sie wurden auch zu den Kranken gerufen.

»Ist jemand krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihn beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des HERRN.« (Jakobus 5,14)

Dass der Mensch altert, lässt sich nicht aufhalten. Das Leben bewegt sich zwischen Weisheit und Torheit, Stärke und Schwäche, Vertrauen und Angst.
Da können wir uns die hochbetagten biblischen Persönlichkeiten als Vorbild nehmen. Sie blieben ihrem Gott stets verbunden, lebten aus einem tiefen Gottvertrauen und wussten sich von ihm getragen. Das machte sie dankbar und stark.
Psalm 73, 23-26 singt von diesem Vertrauen:
»Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.«

Pastorin Haike Gleede

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Pastorin Haike Gleede
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